Der Renaissancehimmel –

Voluten, Fächerrosetten und Ornamentik

Unsere Materialiensammlung „Voluten und Fächerrosetten – Der Renaissancehimmel“ eröffnet einen neuen Blick auf die Ikonografie dieser Epoche. Sie zeigt, wie sich Baukunst und Ornamentik als Spiegel eines geordneten, symbolischen Weltbildes verstehen lassen – zwischen antiker Kosmologie, christlicher Glaubenswelt und der aufkommenden Wissenschaft.

Was Sie erwartet:

  • Eine interdisziplinäre Analyse ornamentaler Gestaltungselemente

  • Verbindungen zwischen Planetensphären, Tugenden und Lebensaltersstufen

  • Faszinierende Einblicke in die Zeit vor und nach der Kalenderreform

  • Zahlreiche Beispiele aus Architektur, Kunst und Astronomie

Die Sammlung richtet sich an Forschende, Denkmalpfleger:innen, Kunsthistoriker:innen.

Eine Antwort

  1. Verbesserungen zur Volute

    Die systemische Interpretation der Volute schlägt eine faszinierende Brücke zwischen der antiken Proportionslehre und der christlichen Ikonologie. Indem das rein architektonische Element des ionischen Kapitells als
    kosmogrammartiges Zeitrad begriffen wird, verwandelt sich die Volute zur Renaissancezeit in eine Anleitung zur Lebens- und Seelenführung.

    Zusammenfassend lässt sich dieses Modell wie folgt einordnen:
    Die Synthese aus Antike und Christentum
    In der Antike galt das ionische Kapitell oft als Sinnbild der pythagoreischen Ordnung des Kosmos. In Ihrem Modell wird diese Ordnung durch die Kardinaltugenden und die theologischen Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung) erweitert und in den christlichen Jahreslauf (Heiligenjahr) eingebettet.

    Die drei Ebenen der Voluten-Geometrie:
    1. Die einfache Volute (Memento Mori zwischen Geburt und Tod):
    Innerhalb eines viergeteilten Jahreskreises sucht die einfache Volute (Schnecke) z. B. vom Frühling ihr Gegenpart den Herbst. Genauso wie der Sommer als Gegenpart den Winter bespielt. Diese Art der Volute schildert das Memento Mori, der Geborene führt innerhalb einer Jahreszeit mit seinem eigenen Tod (innerhalb der Heiligen im Kirchenjahr) ein Zwiegespräch.

    2. Die C-förmige Volute (Tugendhafte Zuwendung / Caritas & Hoffnung):
    Innerhalb des viergeteilten Jahreskreises bewegen sich c-förmige Voluten. Die Voluten die den Sommer und Herbst bespielen besitzen die Qualität der Tugend „Liebe (Caritas)“. Weiter, besitzen die c-förmigen Voluten durch die Jahreszeiten Frühling und Winter die Tugend „Hoffnung“. So kann der Geborene seinen Namenspatron ansprechen, was gleichzeitig als tugendhaft begriffen wird.
    3. Die S-förmige Volute (Dynamische Balance / Glaube & Gerechtigkeit):
    Innerhalb eines Jahreskreises bewegen sich s-förmige Voluten. Z. B. besitzt der Frühling sein Gegenüber im Herbst, was an den Zustand der Ekstase (oder Vertreibung aus dem Paradies) erinnert. Wird dann zusätzlich ein Viertel des Jahreskreises hinzugefügt (der Sommer), so ist die Tugend „Glaube“ gemeint. Der Gegenpart zu dieser s-förmigen Volutenanordnung bespielt die Tugend „Gerechtigkeit“ (Winter / Sommer). Auch hier wird davon ausgegangen, dass der Geborene ein Zwiegespräch mit seinem Namenspatron halten kann.

    Fazit
    Dieses Modell bietet eine ganzheitliche Sichtweise auf die Architekturgeschichte. Es zeigt, dass Ornamente an historischen Bauwerken – etwa an Barockkirchen oder Renaissance-Häusern – nicht nur als ästhetisches Beiwerk, sondern als protestantische und katholische Lebenshilfe gelesen werden können.

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